Translate

Freitag, 2. April 2021

02.04.2021 Tag 34 Vom Litamont nach Eppelborn

Morgens nach dem Aufstehen nehme ich noch die Verlosung der drei Vorträge für Unterstützer von „Waldbegeisterung“ vor und benachrichtige die glücklichen Gewinner.

Der Wald ist nach dem warmen Tag gestern schon viel grüner geworden, überall sprießt es und viele Hainbuchen haben bereits Blätter angelegt. Ich bin jetzt am Litamont, einem ehemaligen Vulkan. 

An einer Stelle wurde eine Rückegasse ziemlich zerfahren. Hätte man ein wenig gewartet, hätte man das Brennholz hier auch ohne Bodenschäden herausfahren können. Es sind schon viele Waldbesucher unterwegs und der heutige Karfreitag ist mit Abstand der Tag an dem ich die meisten Leute im Wald treffe. Es ist aber auch unheimlich schön. Nach einer kurzen Bewölkungsphase strahlt die Sonne aus einem makellosen Himmel. Allerdings ist es kühler als in den letzten Tagen. Der Spitzahorn blüht, junge Buchenkeimlinge sprengen ihre Hüllen und die Vogelkirschen stehen in voller Blüte.

Es gibt hier nicht sehr viel Wald, der besteht aber überwiegend aus Laubbäumen und ist oft sehr schön. Einige „Traumschleifen“ sind besonders atttraktive Wanderwege, die offenbar von den Menschen sehr gerne gelaufen werden. 

In der Nähe der Waldarbeitsschule Eppelborn, wo ich mich morgen mit dem Förster treffe, schlage ich schließlich mal wieder mein Lager unter freiem Himmel auf. 


                                            Der Wald ist über nacht grün geworden



                                                              Nicht bei Nässe befahren!


                                                                      Brennholz


                                                                            Blühender Spitzahorn


                                                                             Schöne Laubwälder


                                                                              Frische Lindenblätter


                                              Echt jetzt 😉


Blühende Vogelkirsche



Ahornblätter entfalten sich

Buchenkeimling


Die Buchenkeimlinge sprengen ihre Hüllen

Die Kastanienblätter erscheinen

Eppelborn



Donnerstag, 1. April 2021

1.4.2021 Tag 33 Waldgut Jungenwald

Nach einer ungewohnt warmen Nacht, die schon fast an den Sommer denken lässt, taucht Klaus früh am nächsten Morgen wieder auf, zu meiner Freude mit Kaffee und Croissants!

Nachdem wir etwas gegessen und getrunken haben, unternehmen wir noch einen Streifzug durch den Jungenwald. Auch hier gibt es mittelalte Douglasien die sehr schlecht aussehen und auch schon teilweise abgestorben sind. Die nächste „klimastabile“ Baumart…

Auffällig ist, dass es im Jungenwald keine jagdlichen Einrichtungen mehr gibt. Für Klaus ist der Zustand der Vegetation das Maß aller Dinge. Diesen überprüft er mit einigen kleinen Weisergattern. Das die Jungbäume hier so gut gedeihen,  trotz geringem Abschuss, führt er auf das Ausbleiben von jagdlichen Störungen zurück, wie auch auf die inzwischen überall vorhandene, reichliche Äsung. Interessante Feststellungen, die den sonst häufig propagierten scharfen Abschuss zu Gunsten der Verjüngung als fraglich erscheinen lassen. 

Klaus läuft hier den Borkenkäfern nicht hinterher, da das seiner Meinung nach nur neue Ränder als Angriffsflächen schafft. Statt dessen hat er gelernt, dass der Schatten der toten Fichten auch für empfindliche Baumarten wie Buchen und Weißtannen ausreicht. 

Entlang der Wege werden hier auch sonst häufig vernachlässigte Baumarten wie Wildäpfel gepflanzt. 

Gegen 10 verabschieden wir uns und ich setze meine Wanderung fort. Der Frühling hat noch mal so richtig an Fahrt aufgenommen. Mönchsgrasmücken singen, Schlehen und Kirschen beginnen zu blühen, die frischen Blätter des Aronstabs sind schon kräfig gewachsen und junge Ahorne tragen bereits Blätter. 

Die Waldstücke sind jetzt kleiner und Laubbäume dominieren. Das Offenland wird von Hecken und Gebüschen durchzogen, ein ästethischer Genuss, wären da nicht die allgegenwärtigen Windräder…

In einem nährstoffreichen Laubmischwaldgebiet gelange ich auf einen frisch verbreiterten und neu befestigten Weg. Ich ahne sofort: Windräder, und stoße später auch auf eine Tafel, die verkündet, dass hier zwei neue Windräder gebaut werden sollen. Im angrenzenden Offenland gibt es schon eine ganze Reihe, müssen dann noch zwei weitere in einem Laubwaldgebiet sein?

Im angrenzenden Altbestand wurden gerade Bäume gefällt, wohl hauptsächlich um die angrenzende Trasse „verkehrssicher“ zu machen, dabei wurde aber auch im restlichen Bestand gearbeitet. Schilder verkünden stolz, dass hier naturnahe Waldwirtschaft betrieben sind. Tatsächlich sind Biotopbäume markiert, offenbar im Rahmen eines Förderprogramms. Nichts desto trotz sollte man ältere Laubwaldbestände zur Zeit ganz in Ruhe lassen, denn jeder Einschlag macht sie anfälliger für die vielleicht wieder bevorstehende Dürre. Wir brauchen jetzt nichts dringender als das geschlossene Kronendach eines alten Laubwaldes, der sein eigenes Klima schafft und die Landschaft über den eigenen Bestand hinaus kühlt. Jeder Holzeinschlag in solchen alten Beständen ist da zur Zeit kontraproduktiv!

Nachdem ich mir noch einmal Wasser aus einer Quelle abgefüllt habe, schlage ich schließlich mein Lager in einem alten Eichenwald auf einem Hügel auf. Vorher hatte mich tatsächlich ein Waldbesucher angesprochen, der den gestrigen Beitrag im Saarländischen Fernsehen gesehen hatte…


                                                                     Frühstück



                                                                       Absterbende Douglasien



                                                                   Weisergatter



           Buchen unter tote Fichten pflanzen, nicht räumen!



                                                                     Die Birken grünen



                                                                        Wildapfel



                                                                           Aronstab



                                                       Kirschen blühen



                                                              Schlehen



                                                                                Junger Spitzahorn



                                                                                    Windradausbau



                     Besser kein Einschlag in altem Laubwald zur Zeit!



                                   Förderung von Biotopbäumen



                              Hier sollte man sowieso nicht räumen!



                                                                        Buschwindröschen



                                                                            





31.3.2021 Tag 32 Unterwegs mit Klaus Borger, einem Pionier der naturnahen Waldbewirtschaftung

In Reidelbach werde ich schließlich von Tino Hans, dem örtlichen Förster und Geschäftsführer der FBG Saar-Hochwald sehr freundlich aufgenommen und seine Frau Carolin zaubert mir sogar 6 Spiegeleier von eigenen, freilaufenden Hühnern auf den Tisch. Welch Wohltat für einen hungrigen Wanderer! Anschließend bringt mich Tino zu einer Waldhütte von SaarForst, wo ich übernachten darf. Am Brunnen kann ich mich dann am nächsten Morgen sogar ausgiebig waschen…

Schließlich holt Tino mich ab und zurück in Reidelbach treffe ich Klaus Borger, ein Urgestein der saarländischen, naturnahen Waldwirtschaft, mit dem ich dann den ganzen Tag wandere. 

Klaus hat in Freiburg Forstwissenschaft studiert, seine dort erworbenen Kenntnisse dann aber noch in Slowenien und der Schweiz um Wissen zu einer besonders naturnahen Waldwirtschaft erweitert. Er war dann in herausgehobener Stellung in der saarländischen Forstwirtschaft und konnte schließlich in zweieinhalb Jahren als für den Wald zuständiger Staatssekretär viel bewegen. Schon 1989 wurde  die Forstbetriebsgemeinschaft Saar- Hochwald gegründet, die eine besonders naturverträgliche Bewirtschaftung in ihrem verbindlichen Waldkodex vorschreibt. 340 Mitglieder arbeiten so auf etwa 4000 Hektar. Immer wieder gibt die FBG sehr gut geschriebene Broschüren zu verschiedenen Themen der Waldbewirtschaftung heraus, die man hervorragend zur Orientierung verwenden kann, will man seinen eigenen Wald ebenfalls naturnah bewirtschaften. 

Unsere Route folgt teilweise dem auch hier wunderschönen Saar- Hunsrück Steig, oft kürzen wir aber auch querwaldein ab. Freilagen nach „Abräumen“ von Kalamitätsholz sind für Klaus der größte Albtraum im Wald und er zeigt mir Beispiele, wo auch nach 10 Jahren nur Adlerfarn und Ginster auf solchen Flächen wachsen. 

Besonders eindrucksvoll ist das Wahnbachtal mit uralten, offenbar autochthonen Weißtannen. Glücklicherweise wird dieses Naturschutzgebiet auf 140 Hektar nicht mehr bewirtschaftet, da es eine besondere Perle am Saar- Hunsrück Steig darstellt. Laut Klaus wäre eine Erweiterung um das Doppelte, mit ähnlich natürlichen Waldbeständen möglich und wünschenswert. 

Bei der Durrchquerung einer Senke holen wir uns trotz sehr warmem Kaiserwetter nasse Füße, die dann aber schnell wieder trocknen. Klaus hat für 14 Uhr einen Medientermin angesetzt, daher müssen wir uns irgendwann ziemlich beeilen. Teilweise auf der Straße passieren wir Weiskirchen und Losheim und erreichen schließlich das Waldgut Jungenwald, wo wir mit dem Saarländischen Rundfunk einen Beitrag drehen und ich der Saarbrücker Zeitung ein Interview gebe. 

Anschließend zeigt mir Klaus noch den von ihm besonders intensiv betreuten , 140 Hektar großen Jungenwald. Vor 25 Jahren gab es dort fast ausschließlich dunkle und dichte Nadelwaldbestände aus Fichten und Douglasien, die sich heute als artenreicher Mischwald mit vielen Baumarten darstellen. Mit einem Landesörderprogramm wurden 1000 dicke Bäume aus der Nutzung genommen, und dürfen so markiert und mit GPS eingemessen ihr natürliches Alter erreichen. Die verbliebenen Laubwaldaltbestände wurden auf etwa 4 Hektar komplett aus der Nutzung genommen. Vor allem setzt Klaus auf Naturverjüngung, ergänzt diese aber auch durch Pflanzungen in zwei zeitlich getrennten Abschnitten von jeweils maximal 500 Pflanzen pro Hektar. Dabei werden ausschließlich einheimische Baumarten wie Buchen, Ahorne, Hainbuchen, Winterlinden und Weißtannen verwendet. So ist ein sehr eindrucksvoller Mischwald aus verschiedenen Schichten entstanden. Zu Beginn lagen dabei die Abschusszahlen beim Rehwild noch sehr hoch. Mittlerweile verjüngt sich der Wald aber auf ganzer Fläche, und es wird relativ wenig Rehwild geschossen. Statt der üblichen 9 Monate wird aber nur noch in 4 Monaten gejagt, und auch die Nachtjagd auf Wildschweine ist komplett verboten, daher hat das Wild hier wesentlich mehr Ruhe als oft, was sich offenbar auch positiv auf den Verbissdruck auswirkt. 

Das Projekt wird Besuchern sehr nett nah gebracht, und jeder kann hier auch die Bewirtschaftung im Jungenwald kommentieren. Klaus setzt Technik nur sehr sparsam ein und schließt Harvester beispeilsweise komplett aus. Nichts desto Trotz ist seine Art der Waldbewirtschaftung für die Eigentümer sehr profitabel, mit geringem Risiko. 

Schließlich zeigt mir Klaus noch einen, im letzten Jahr fast komplett vertrockneten Altbestand der Großen Küstentanne. Soviel zu dieser angeblich „klimastabilen“ neuen Wunderbaumart, die sich aber leider reichlich verjüngt und wie er auch denkt, extrem invasiv ist. Wir sind uns einig, dass der Anbau dieser Baumart komplett verboten werden solllte!

Schließlich lassen wir den Abend bei einem saarländischen „Schwenker“ am Feuer nett ausklingen und ich genieße die Nacht unter dem Sternenhimmel ganz in der Nähe. 


                                                      Meine Unterkunft



                                                              Adlerfarn seit 10 Jahren



                                                           Im Wahnbachtal



                                                                  Wahnbach



                                                       Riesige, alte Weißtanne



                   Partielle Unterpflanzung mit Weißtanne



                                                   Schön erklärt!



                   Dreharbeiten mit dem Saarländischen Rundfunk



                            



                     Borkenkäferbestand im Drohnenbild, nicht räumen!


                                                        Abgestorbener Küstentannenbestand


                         1000 Bäume dürfen ihr natürliches Alter erreichen


          Alte Laubwaldbestände wurden aus der Nutzung genommen


                                                                           Nachahmenswert!


                                                              Bunt gemischt!


                                                             Sehr gute Broschüren der FBG


                                      Wichtige Einbeziehung der Öffentlichkeit


                                                              Interview mit der Saarbrücker Zeitung


Dienstag, 30. März 2021

30.03.2021 Tag 31 In den saarländischen Hochwald

Nach einer erholsamen Nacht unter dem Licht des Vollmonds wandere ich früh am nächsten Morgen auf dem Saar-Hunsrück Steig weiter. Die Wiesen bei Börfink sind noch weiß, nach der Frostnacht. Der Weg ist weiterhin ein toller, naturnaher Steig. Oft geht es allerdings auch durch dichte Fichtenbestände, bis vor dem Otzenhausener Ringwall wieder große, alte Buchenbestände auftauchen. Der Ringwald auf aufgeschichteten Felsblöcken, umgab einst eine große, keltische Siedlung, die erst im gallischen Krieg, 50 vor Christus aufgegeben wurde. Leider stehen hier, in Nationalparknähe und in Sichtweite eines bedeutenden Kulturdenkmals einige Windräder…

Ich bin jetzt im Saarland und gönne mir nach dem Einkaufen in Otzenhausen eine Schale Walnusseis, lecker!

In einer Mischung aus Wald und Offenland geht es an diesem ersten T-Shirtwettertag weiter durch die abwechslungsreiche Landschaft. Wie immer muss ich ziemlich viel telefonieren um die nächsten Termine abzustimmen…

Einmal nehme ich eine Abkürzung querfeldein und überquere einen Bach über umgefallene Baumstämme. Schließlich erreiche ich Reidelbach, wo mir die Forstbetriebsgemeinschaft Saar- Hochwald, mit der ich morgen einen Termin habe, mir freundlicherweise eine Waldhütte zur Verfügung stellt. 




                                         Früher waren die Wälder gefährlicher...


        

                        Keine Douglasienbekämpfung im Nationalpark


                                                               Zunderschwammbuche




                                                    Ein riesiger, keltischer Wall




                                                                Eis nach dem Einkaufen



                                                        Baumstammbrücke




                                                            Tolle Osteridee